Die Geschichte von Noa und ihren MEmis. Unsere Charity Postkarten.

Kommt vorbei und lernt Audrey, Pepino und MElina kennen! Diese drei sind sehr besondere, liebenswerte Kreaturen. Ihre Erfinderin und Schöpferin, Noa, ist in vielerlei Hinsicht eine sehr bemerkenswerte Person mit einem großen Herzen. Wir sind glücklich und fühlen uns priviligiert, dass wir Noa kennenlernen konnten und gemeinsam mit ihr dieses Charity-Postkartenprojekt verwirklichen können. Um etwas Aufmerksamkeit zu erzeugen und Spenden zu sammeln für - nun, das lassen wir Noa gerne mit ihren eigenen Worten beschreiben:

"Hallo liebe Freunde der geschmackvollen Postkarte!

Mein Name ist Noa.

Ich folge herzlich gern der Einladung für den papersisters Blog einen Gasteintrag zu schreiben.

Bei meinen Bemühungen, resilient durchs Leben zu "gehen" und resilienter zu werden, bin ich gut und gerne in viele Richtungen kreativ.

Manchmal bin ich das mit Absicht, doch manches geschieht und entwickelt sich auch fast von alleine. (Eins meiner englischen Lieblingsworte ist "Serendipity". Das bedeutet etwas zu suchen und überraschend etwas ganz anderes Gutes zu entdecken.) 

Seit 16 Jahren bin ich an ME (Myalgische Enzephalomyelitis) erkrankt. Das Kernsymptom der ME nennt sich PENE, Postexertional Neuroimmune Exhaustion.

Dies beinhaltet eine krankhaft niedrige Erschöpfungsschwelle, weil der Körper nicht mehr in der Lage ist, bei Bedarf ausreichend Energie zu produzieren. Außerdem folgt auf eine für Gesunde normale Belastung Erschöpfung, extreme Schwäche, Verschlimmerung der Krankheitssymptome und auch eine deutlich verlängerte Erholungszeit.

Konkret bedeutet dies, dass eine Belastung (ganz gleich ob körperlich, geistig oder emotional) die von Gesunden kaum als Belastung wahrgenommen wird, wie z.B. ein Telefonat, Zähneputzen oder seine Nahrung zu kauen, für Erkrankte schwere Folgen haben kann. Die Belastungsschwelle die ein Erkrankter toleriert variiert je nach Schwere der Erkrankung.

Eine Standardtherapie für ME existiert leider derzeit noch nicht. 

Als ich vor einigen Jahren durch die Erkrankung bettlägerig wurde, suchte ich nach einer Möglichkeit, wie ich dennoch bei meinem Mann sein konnte, wenn er loszog.

Ich häkelte ein kleines blaues Wesen, das entfernt an ein Dreizehenfaultier erinnerte. Dies sollte an meiner Stelle mit ihm losziehen, damit er sich nicht ganz alleine fühlt.

Und er sollte mir wiederum ein oder mehrere Fotos mitbringen, auf denen der Kleine zeigt wo überall er gewesen war. 

Die Faultier Ähnlichkeit war absichtlich gewählt, weil Erkrankte oft wie das Faultier selbst zu Unrecht für faul gehalten werden. Außerdem entwickeln viele ein verlangsamtes Bewegungsmuster, weil Muskelzellen verdammt viel Energie fressen und es schnell zu Nachschubschwierigkeiten kommt. 

Meine relative soziale Vereinsamung trieb mich zu dem berühmten sozialen Netz mit dem f, wo sich viele ME Kranke austauschen. Als ich mit Freunden die Bilder teilte, die mein Mann mir mitbrachte, gab ersten schnell einen Namen. Eine Freundin sagte: Och, das ist ja ein MEmi. Und dabei blieb es.

Und die Anfragen trudelten ein. Die MEmis wurden schnell zu einem Symbol der Hoffnung und Verbundenheit. Die Empfänger durften Wünsche äußern und keins ist genau wie ein anderes. Wie Menschen und Faultiere eben.

Es gibt inzwischen 127 Stück, die in 5 Ländern ihr Zuhause fanden. 

Die MEmis haben vielen Freude bereitet, mir vielleicht am meisten. Denn ich genieße es seit ich zuhause "festliege" außerordentlich, in der Welt Fußstapfen zu hinterlassen.

Die MEmis der etwas milder Betroffenen sind auch gereist und ich ein bisschen mit ihnen. So war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Vulkan, konnte in meinen geliebten Niederlanden Plätze sehen, die ich noch nicht kannte. Ich war in Jamaica, auf den Bahamas und ich habe den Grand Canyon erkundet. Im Civil Rights Museum in Memphis Tennessee habe ich den Bus bestaunen können, in dem die toughe Rosa Parks sich gegen die Rassentrennung auflehnte.

Als es mir meine kognitiven Probleme nicht mehr erlaubten, mich auf Facebook zurecht zu finden (zu viele Eindrücke auf einmal und vieeeel zu viele blinkende Gifs!), war das bis auf wenige Ausnahmen das Ende der MEmi Produktion. MEmi Bilder erreichen mich dennoch ab und zu, wofür ich unendlich dankbar bin.

Ich brauchte dringend eine neue Möglichkeit, ein Stück von mir in die Welt zu senden und vielleicht den Tag eines anderen Menschen ein wenig besser zu machen.

Eine ME Freundin, ebenfalls eine Kreativnudel wie ich, erzählte mir vom Postcrossing. Ich war sofort Feuer und Flamme. Meine Tage werden oft vergoldet durch besonders hübsche oder bedeutsam beschriebene Postkarten, die mich aus allen Winkeln der Welt erreichen.

Und ich selbst spüre eine tiefe Freude dabei, eine Karte für jemanden auszuwählen und schön zu gestalten.

Da ich schon genannten Gründen nicht mal eben Karten kaufen gehen kann und ich am liebsten selbst dem schrägsten Sammler eine Freude machen würde, habe ich inzwischen einige Kisten voller Postkarten und muss mich oft bremsen, weil ich ja nach deutscher Rechnung am Existenzminimum lebe. Freunde schenken mir zum Glück auch ab und zu Karten.

Bei den papersisters war ich zunächst Kundin. Ich konnte unmöglich widerstehen. Ich liebe die Motive und die Stempel einfach zu sehr.

Dann gab mir der Zufallsalgorythmus von Postcrossing sogar die Adresse einer Sister und der Kontakt war hergestellt. Damals zeigte ich ihnen ein paar Zeichnungen und MEmibilder, aber die Zeit war noch nicht reif.

Ehrlich gesagt, rechnete ich kein bisschen mit Nachreifung der Zeit und fiel aus allen Wolken als sie mir anboten, ein paar MEmi Karten in den Shop zu nehmen und den Gewinn aus dem Verkauf dieser Karten an zwei ME Organisationen meiner Wahl zu spenden.

Wieder wird ein Stück von mir reisen dürfen. Außerdem habe ich immer wieder nach Kräften für die Bekanntheit der Krankheit ME gekämpft. Denn Bekanntheit und öffentlicher Druck bringen am Ende Forschungsgelder, die dringend gebraucht werden, damit am Ende die Krankheit ganz verstanden werden kann und gezielte Behandlungsmethoden existieren und auch von den Kassen getragen werden.

Mit ihrem großzügigen Angebot haben die papersisters Maike und Wiebke mein ganzes Jahr vergoldet. Das ist ein gutes Gegengewicht, denn Gründe für Angst und schlechte Laune gibt es ja in diesem Jahr zur Genüge. 

Schreibt euren Lieben, die ihr jetzt nicht persönlich sehen könnt! Zeigt ihnen, dass sie nicht vergessen sind. Ich weiß wie sich das anfühlt und gut man sich fühlt, wenn man den Gegenbeweis in Form einer Postkarte in Händen hält. Die MEmis werden sicher für ein Lächeln sorgen, das dieser Tage so unsagbar kostbar ist! 

Wen Geschichten aus dem Alltag mit ME interessieren, der schaue gerne auf meinem Blog vorbei:

https://memiphilosophy.wordpress.com

Alle Einträge sind auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Ana hat im Januar ein Spotlight über mich auf dem Postcrossing Blog veröffentlicht. Auch das ist lesenswert. Ihr findet den englischsprachigen Beitrag hier:

https://www.postcrossing.com/blog/2020/01/07/postcrossing-spotlight-chenoah-from-germany

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